Erstmals Wölfin in Schleswig-Holstein Verkehrsopfer !

Bisher waren immer junge männliche Wölfe Opfer von Straßenverkehr. – Jetzt folgen wohl auch geschlechtsreife weibliche Tiere in neue Lebensräume !

Junge Wölfin auf der A 1 überfahren

Zwischen Bargteheide und Bad Oldesloe ist am Wochenende ein Tier überfahren worden – Genetische Untersuchung in Berlin VON MARKUS CARSTENS Bad Oldesloe. Es geschah in der Nacht auf Ostersonntag, als die Fahrerin eines VW Golf auf der Autobahn 1 bei Pölitz kurz vor der Anschlussstelle Bad Oldesloe in Richtung Norden einem Wildtier nicht mehr ausweichen konnte und es überfuhr. Der Fahrerin selbst passierte nichts. Aber das Auto war beschädigt. Die Frau rief die Polizei. Die Beamten der Autobahnpolizei Bad Oldesloe konnten an dem Wagen einen Wildschaden feststellen. Sie entdeckten jedoch in der Nacht kein Tier, das nach Aussage der Golf-Fahrerin ein Wolf oder Hund gewesen sein sollte. Deshalb kehrten die Beamten am Ostersonntag bei Tageslicht noch einmal zur Unfallstelle auf der Autobahn zurück. Dort fanden sie das verendete Tier auf dem Grünstreifen. Die Polizisten gingen davon aus, dass es sich um einen Wolf handelte und verständigten den zuständigen Wolfsbetreuer des Landes. Und der war sich vor Ort ebenfalls sicher: Ja, es ist ein Wolf. Seinen Angaben zufolge handelt es sich um ein junges, weibliches Tier. „Für uns hatte sich die Sache damit erledigt,“ sagte Polizeisprecher Holger Meier, „das ist für uns ein normaler Wildunfall. Für die Halterin gab es eine Bescheinigung für die Versicherung.“ Noch vor Ort nahm der Wolfsbetreuer Blutproben, machte Fotos und verpackte den Kadaver. Der Bereitschaftsdienst des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume brachte den Wolf anschließend nach Berlin ins Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierkunde, wo genetische Untersuchungen vorgenommen werden.

“Dort kommen alle toten Wölfe aus dem gesamten Bundesgebiet hin“, erklärt Jens Matzen, der Landeskoordinator für alle Wolfsbetreuer in Schleswig-Holstein. Die Untersuchung in Berlin dauert mindestens zehn Tage, bis ein Ergebnis zur Herkunft der jungen Wölfin feststeht. Die genetische Untersuchung könne dann schließlich zeigen, ob der Wolf möglicherweise für die Schafsrisse im Lauenburgischen in den vergangenen Tagen verantwortlich ist. Jens Matzen geht davon aus, dass sich derzeit drei bis fünf Wölfe in Schleswig-Holstein aufhalten. Sesshaft ist jedoch keiner bislang geworden, sie ziehen immer weiter, können bis zu 60 Kilometer pro Nacht zurücklegen. Dass hin und wieder ein Wolf überfahren wird, ist laut Matzen gar nicht so ungewöhnlich. „Gerade die A 1 ist sehr gefahrenträchtig, hat an mehreren Stellen gar keinen Wildzaun.“

Bereits 2013 war auf der A 1 bei Siek im Kreis Stormarn ein Wolf überfahren worden.

Quelle: Lübercker Nachrichten, 25.04.2019

 

Menü