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In Deutschland wird der Wald verramscht!

Den Kommunen geht bundesweit das Geld aus, da muss dann auch schon mal das Tafelsilber dran glauben. Ein abschreckendes Beispiel spielt sich derzeit in der Hansestadt Lübeck ab.

L Ü B E C K E R S T A D T W A L D

Lübeck, kreisfreie Stadt in Schleswig-Holstein mit 214 Tausend Einwohnern, bewirtschaftet mit ihrem Stadtforstamt (neudeutsch: „Bereich Stadtwald im Fachbereich Umwelt der Hansestadt Lübeck“) insgesamt 4.600 Hektar Wald, davon sind 3.955 Hektar im Eigentum der Stadt, 655 ha sind Eigentum öffentlich-rechtlicher Stiftungen.

Seit den Jahren um 1300 erwarb Lübeck Ländereien entlang der Handelswege nach Lüneburg und Hamburg als militärische Stützpunkte. Späterer folgte der Ankauf weiterer Güter, um die Stadt zu arrondieren und abzusichern. Dabei fiel der Hansestadt als Grundherrschaft der Wald sozusagen „nebenbei“ zu. Mit dem Eigentumserwerb begann - bedingt durch den hohen Holzbedarf für den Schiffsbau - eine gezielte Waldnutzung.

- Aber, wie geht die Stadt heute mit diesem Naturerbe um?

- Werden Politik und Verwaltung ihrer hohen Verantwortung im Umgang mit dem „Bürgereigentum Stadtwald“ gerecht?

Die aus den Initiativen des Lübecker Bürgermeisters Bernd Saxe deutlich werdende Absicht, Teile des Stadtwaldes zugunsten des maroden Stadtsäckels verkaufen zu wollen, hätte man von einem sozialdemokratischen Verwaltungschef am allerwenigsten erwartet.

Das Lübecker Konzept der „Naturnahen Waldnutzung“ ist nämlich nicht nur Symbol einer Waldwirtschaft im Sinne des Umweltgipfels 1992 von Rio de Janeiro mit den Konventionen zur Nachhaltigen Entwicklung, sondern auch lebendiges Beispiel und Ausdruck der Sozialpflichtigkeit des Eigentums.

Die Bewirtschaftung von Lübecks Wäldern ist seit dem einstimmigen Ratsbeschluss zur „Naturnahen Waldnutzung“ aus dem Jahre 1995 eine einzige Erfolgsstory: 1996 internationaler Umweltpreis der Europäischen Papierindustrie, 1998 nach den Standarts des Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert, 1998 von der damaligen Bundesumweltministerin Merkel im Rahmen des 1. Naturschutzwettbewerbes des Bundes und der Länder ausgezeichnet und heute bundesweit beispielhaft als Erholungsraum, Ökosystem und Wirtschaftsfaktor.
Lübecker Förster sind daher inzwischen weltweit für ihre innovative Waldentwicklungsstrategie bekannt. Wird dieses so bleiben?

Die Bereitstellung von Erholungseinrichtungen, die Betreuung von integrierten Naturschutzgebieten, die Unterhaltung von Wander-, Reit- und Radwegen und die Leistungen im Rahmen der Waldpädagogik sind insbesondere bei stadtnahen Wäldern kostenintensiv. Wenn hierzu erforderliche Mittel durch Verwertung forstwirtschaftlicher Erzeugnisse aus entfernt liegenden Waldflächen geschöpft werden können, so ist dies endlich einmal der Nachweis, dass auch in Kommunen erfolgreich gewirtschaftet werden kann.

Soziale und ökologische Leistungen des Waldes im Sinne einer Daseinsvorsorge bedürfen erfolgreicher ökonomischer Anstrengungen. Des Lübecker Bürgermeisters Initiative entzieht dem Forstamt die Resourcen zur Fortführung des Erfolgsmodells Stadtforst – zum Schaden der Bürger!

Lübecker Politiker machen vor, wie es nicht sein soll.



AGNJ/SH