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Pressemitteilung

(HN)
Zur Jahreshauptversammlung der Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Jagd in
Schleswig-Holstein e.V. (AGNJ – SH) begrüßte der Vorsitzende Helmut Neu
neben einer großen Zahl von Mitgliedern und Gästen den
Landesnaturschutzbeauftragten des Landes Schleswig-Holstein, Herrn Klaus
Dürkop, den Referatsleiter im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und
ländliche Räume, Herrn Ministerialrat Johann Böhling in Vertretung des
Ministers Dr. Christian von Boetticher, die jagdpolitische Sprecherin der
Landtagsfraktion der SPD, Frau Sandra Redmann (MdL) und seitens der FDP
Herrn Landtagsabgeordneten a.D. Joachim Behm.

Frau Redmann (MdL)

Herr Ministerialrat Johann Böhling

Neu ging auf die Erfolge des vergangenen Vereinsjahres ein:
„Am 10. Oktober erklärte der zuständige Umweltminister Dr. Christian von
Boetticher den Verzicht auf den Verkauf des SH–Landeswaldes.
Das war ein sichtbarer Erfolg unserer Arbeitsgemeinschaft, die sich von
Anbeginn den Bestrebungen der Landesregierung, den landeseigenen Wald zu
verkaufen, widersetzte.

In vielfältiger Weise haben wir unseren Widerstand deutlich gemacht. Durch
aktive Pressearbeit konnten wir die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeitauf auf
die Absicht, vor allem auf die des Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen
lenken, unseren Wald unwiederbringlich in fremde Hände zu geben.

Im „BÜNDNIS WALD“ organisierten wir Schulter an Schulter mit BUND,
NABU, LNV und einer Vielzahl anderer Umweltverbände den Widerstand.
Der Verzicht auf den Landeswaldverkauf war nicht nur - aber auch - unser
Verdienst.
Die Landesregierung hat am 18. April dieses Jahres beschlossen, den
Landeswald ab dem 01. Januar 2008 in eine „Anstalt Schleswig-Holsteinische
Landesforsten“ umzuwandeln, die nach wirtschaftlichen Grundsätzen
gewinnorientiert arbeiten soll.
Im Juli dieses Jahres waren wir aufgefordert, zum Entwurf des Gesetzes über die
Anstalt eine Stellungnahme abzugeben.
Das haben wir getan und wir bedanken uns bei Minister Christian von
Boetticher für diese Möglichkeit der Beteiligung an der Zukunft unseres
Waldes.

Wir werden die zukünftige „Anstalt Schleswig-Holsteinische Landesforsten“
weiterhin aufmerksam und kritisch begleiten.

Andere Themen werfen ihre Schatten voraus:

Bund und Land fördern regenerative Energien, um zukünftiger
Ressourcenknappheit und der wachsenden Abhängigkeit von ausländischen
Energielieferanten zu entgehen. Aber: riesige Mais-Monokulturen
beeinträchtigen dann das Landschaftsbild im Touristenland zwischen den
Meeren, der intensive Anbau zerstört Lebensräume unserer heimischen Fauna,
die Artenvielfalt geht zurück. Der Staat schützt in Verantwortung für die
künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen; so steht`s in Art. 20a
GG. Werden Sie – sehr verehrte Frau Abgeordnete Redmann - Ihrer
Verantwortung gerecht und scheuen Sie keine gesetzlichen Regelungen, die das
Recht der Bürger an einer unbeschädigten Natur gewährleisten.
Das Wort Wildbrethygiene ist in aller Munde, die Fachpresse berichtet derzeit
laufend, der Landesjagdverband schult ältere Jäger im Umgang mit erlegtem
Wild nach, auch ich bin nach Teilnahme an einer entsprechenden Ausbildung
nunmehr „sachkundige Person“ im Sinne der gesetzl. Vorgaben. Um so
verwunderlicher ist es, dass die Gefahr einer erhöhten Bleikontamination durch
die Verwendung bleihaltiger Munition auf relativ wenig Beachtung stößt.
Bei Wildfleisch-Untersuchungen des Bundesinstituts für gesundheitlichen
Verbraucherschutz wurden schon vor einigen Jahren Kontaminationen durch
Geschosspartikel festgestellt, die bei über 25% der untersuchten Proben über
dem Richtwert lagen. Wir Jäger wissen, dass beim Eintritt eines Projektils in den
Wildkörper Geschosspartikel in die Umgebung des Schusskanales vordringen
und das Gewebe in diesem Bereich kontaminieren. Schon heute wird ein breites
Sortiment bleifreier Kugelmunition angeboten, die Erfahrungen mit diesen
Geschossen sind durchweg positiv. Auch hier ist der Gesetzgeber gefordert, im
Sinne des Verbraucherschutzes das Blei aus dem Wildbret und aus den
Ökosystemen bald konsequent zu verbannen.
Meine Damen und Herren, verehrte Frau Abgeordnete Redmann: setzen Sie sich
ein für den Schutz der Natur und den Schutz der Verbraucher in Schleswig-
Holstein. Tun Sie dies im Bewusstsein Ihrer Verantwortung für gegenwärtige
und zukünftige Generationen.
Setzen Sie sich durch“

Vortrag Jagd in Naturschutzgebieten

Im Anschluss an die Begrüßung trug der
Landesnaturschutzbeauftragte des Landes
Schleswig-Holstein, Klaus Dürkop, zum Thema
„Jagd in Naturschutzgebieten“ vor.
Am Beispiel des von ihm als
Schutzgebietsreferent betreuten
Naturschutzgebietes GRASWARDER, der
einzigen Nehrung an Deutschlands Ostseeküste,
machte er die nach seiner Ansicht notwendige
Bejagung von Raubsäugern – also Füchsen,
Mardern und Wiesel – deutlich. In diesem
einzigartigen Schutzgebiet nördlich der Stadt
Heilgenhafen/Ostholstein brüten mehr als 40
Vogelarten. Unter den Salzwiesengräsern brütet
der Rotschenkel, der Sandregenpfeifer und der
Austernfischer, bunte Brandgänse balzen vor der
Besucherplattform. Im Herbst wird der GRASWARDER als Nahrungsbiotop
Zwischenstation für rastende und durchziehend Wattvögel, Möwen und
Seeschwalben. An einem Tag können sich im Oktober bis zu 2000 Graugänse,
1500 Pfeifenten, 5000 Kiebitze und über 9000 Goldregenpfeifer im
Naturschutzgebiet aufhalten – für den häufig zu beobachtenden Seeadler ein
reichgedeckter Tisch. Wenn im Winter die Wasserflächen des
GRASWARDERS in der Heilighafener Bucht zufrieren, verlieren viele
Entenvögel ihre Fluchtdistanz zum Menschen. An den letzten offenen
Wasserflächen können Gänse-, Mittel- und Zwergsäger, Reiher und Pfeifenten
sowie Kormorane hautnah beobachtet werden.
Als 1996 erstmals Füchse über die schmale Verbindung zum Festland die Insel
erreichten wurde sie zunächst nur misstrauisch beobachtet und ihr Beutetrieb
zähneknirschend hingenommen. Aber als dann im Folgejahr das erste Geheck -
also die ersten Jungfüchse - groß wurden, war die Gefahr für Brut-und
Rastvögel plötzlich akut. Die Zählbestände verringerten sich unter den Augen
der Schutzgebietsrangern dramatisch.
Der Schutzzweck des Naturschutzgebietes GRASWARDER war in Gefahr, der
Naturschutzbund Deutschland (NABU), der mit der Betreuung des Gebietes
betraut ist, beantragte mit Erfolg die Bejagung des Gebietes. Seither werden
jährlich auf ca. 150 Hektar Landfläche und Uferstreifen bis zu 30 Füchse mit der
Flinte erlegt oder mit Lebendfallen gefangen. Wenige Marder kommen zur
Strecke, auch ein Marderhund hatte sich schon auf die Nehrung verirrt.
Als Segment des Problemkreises „Jagd in Naturschutzgebieten“ machte der
Vortrag zur Schutzjagd auf der Nehrung GRASWARDER eines deutlich: Jagd
kann unumgänglich sein, wenn der Schutzzweck eines Naturschutzgebietes in
Gefahr gerät und nur durch jagdlichen Eingriff garantiert werden kann.
Die AGNJ SH fordert aber nach wie vor eine sorgfältige Einzelprüfung.
Grundsätzlich gilt: keine Jagd in Naturschutzgebieten!
Aber: Ausnahmen können erforderlich sein –siehe GRASWARDER