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Neubürger Marderhund – Kein Grund zur Hysterie

Neumünster, 22. Dezember 2006

Als völlig überzogene und wirklichkeitsfremde Panikmache bezeichnen der NABU Schleswig-Holstein und die Arbeitsgemeinschaft naturnahe Jagd AGNJ die jüngst geäußerten Befürchtungen der Landesjägerschaft, der eingewanderte Marderhund würde die heimische Tierwelt gefährden.

NABU Landesvorsitzender Hermann Schultz äußert Befremden über die einseitigen, wildbiologischen Fakten widersprechenden Darstellungen:
„Die Art und Weise wie diese Tierart verunglimpft wird, zeigt erneut, dass das konservative Lager der Jägerschaft auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts nicht gewillt ist, sich von einer überholten Denkstruktur zu verabschieden, die wildlebende Tiere grundsätzlich nur in 'schädlich oder nützlich' einteilt.“

Obwohl der Bestand an Marderhunden nach der Einwanderung während der letzten Jahre unzweifelhaft in Schleswig-Holstein zugenommen hat, besteht jedoch nach Auffassung des NABU kein Grund zur Aufregung oder gar zur Panik.

Untersuchungen aus Schleswig-Holstein wie auch aus verschiedenen Teilen Deutschlands, im Wesentlichen auf den Ergebnissen der Bestimmung von Mageninhalten toter Marderhunde fußend, haben keine Bedrohung der heimischen Tierwelt nachweisen können. "Auch in Bundesländern mit vergleichsweise hohen Beständen wie Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gibt es mit dem haarigen Allesfresser keine Probleme“, stellt Schultz klar.

NABU und AGNJ sehen daher keinen aus Tierschutzsicht geforderten 'vernünftigen Grund' für das Töten von Marderhunden.

Marderhund

Foto: Paul

Als geradezu grotesk bezeichnet der NABU die Darstellung, der Marderhund würde Fuchs, Dachs und Reiher die Nahrung wegfressen. „Es verwundert schon sehr, wenn die Landesjägerschaft, die seit Jahrzehnten mit allen Mitteln versucht, ihre vierbeinigen 'Konkurrenten' Fuchs und Dachs zu dezimieren, jetzt behauptet, sie vor dem Marderhund schützen zu müssen. Diese unglaubwürdige Argumentation hat wohl das Ziel, die tierquälerische Fallenjagd zu legitimieren“, so Schultz.

Kritisch zu bewerten ist nach Auffassung der AGNJ auch die Tatsache, dass die Mehrheit der schleswig-holsteinischen Jägerschaft die erlegten Tiere trotz regelmäßiger Aufrufe nicht für Mageninhaltsuntersuchungen zur Verfügung stellt. „Offenbar ist man im Landesjagdverband nicht an einer weiteren Klärung ernährungsbiologischer Fragen interessiert. Die hierbei zu erwartenden Ergebnisse passen schließlich nicht in das gebetsmühlenartig bemühte Bild eines vogel- und niederwildmordenden Schädlings“, mutmaßt Günther Heidemann, Sprecher der AGNJ.
Mageninhaltsuntersuchungen und Freilandbeobachtungen haben deutlich gezeigt, dass Marderhunde Allesfresser sind, die sich überwiegend von pflanzlicher Kost, Kleintieren und vorzugsweise Aas ernähren.
Dass sie damit auch nützliche Dienste in der Natur leisten, war übrigens dem kürzlich erschienen Jagd- und Artenschutzbericht des Kieler Umweltministeriums zu entnehmen. „Die Sorge um unsere Brutvogelarten ist also völlig unbegründet“, so Heidemann.