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Finger weg vom Bürgerwald

Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Jagd Schleswig-Holstein e.V. (AGNJ-SH) gegen Verkauf des Landeswaldes

Das Land ist knapp bei Kasse, da soll dann auch schon mal das Tafelsilber dran glauben müssen. Ein abschreckendes Beispiel spielt sich derzeit im waldärmsten Bundesland Schleswig-Holstein ab: der Landeswald soll zu Sanierung der Staatsfinanzen verkauft werden.

Die aus den Initiativen der Landesregierung deutlich werdende Absicht, den Landeswald zugunsten des maroden Stadtsäckels verkaufen zu wollen, steht im krassen Gegensatz zu den Forderungen des Grundgesetzes.
Der Artikel 20a fordert vom Staat im Bewustsein seiner Verantwortung für künftige Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen. Und zu diesen gehört auch „unser“ Wald, der Wald im Eigentum der Kommunen, des Landes und des Bundes.

Das in Schleswig-Holstein praktizierte Konzept der „Naturnahen Waldnutzung“ ist nämlich nicht nur Symbol einer Waldwirtschaft im Sinne des Umweltgipfels 1992 von Rio de Janeiro mit den Konventionen zur Nachhaltigen Entwicklung, sondern auch lebendiges Beispiel und Ausdruck der Sozialpflichtigkeit des Eigentums.

Der Staatswald gehört den Bürgern!

Die Bereitstellung von Erholungseinrichtungen, die Betreuung von integrierten Naturschutzgebieten, die Unterhaltung von Wander-, Reit- und Radwegen und die Leistungen im Rahmen der Waldpädagogik sind kostenintensiv. Hierzu erforderliche Mittel werden im Landeswald alleine durch Verwertung forstwirtschaftlicher Erzeugnisse geschöpft.

Soziale und ökologische Leistungen des Waldes im Sinne einer Daseinsvorsorge bedürfen erfolgreicher ökonomischer Anstrengungen. Die Mitarbeiter der Landesforstverwaltung sind bereit und in der Lage, sich dieser Aufgabe zu stellen.

Es gibt sehr wohl Unterschiede zwischen der Bewirtschaftung des Privat- oder Landeswaldes. Der Privatwald hängt seit Jahrzehnten am „Fördermitteltropf“ (2005 = 5,3 Mill. Euro!) und kann nur dadurch schwarze Zahlen schreiben und überleben! Bei rd. 100.000 ha Privat- und Körperschaftswald sind dies 50 Euro/ha Zuschussbedarf.
Tatsache ist, dass der überwiegende Teil der Ansprüche der unterschiedlichsten Interessengruppen an den Wald in den Landesforsten befriedigt wird, ausschließlich zum „Nulltarif“ natürlich!

Das von der Politik aufgezeigte Defizit der Landesforstverwaltung, das übrigens nicht 12 sondern 9 Mill. Euro ausmacht, muss relativiert werden, denn für sämtliche Pflegemaßnahmen im Landeswald und für die seit über 50 Jahren politische gewollte Neuwaldbildung im waldärmsten Bundesland und den damit verbundenen Flächenankäufen und Neuaufforstungen, sowie für die Allgemeinwohlleistungen wie Erholung, Tourismus und Naturschutz, konnten bisher keine vergleichbaren Fördermitteltöpfe von den Landesförstern angezapft werden.

Der Privatwald hat, obwohl er tatsächlich der größte Waldeigentümer in Schleswig-Holstein ist, bei der Neuwaldbildung nichts Vergleichbares aufzuweisen. Lediglich 4.600 ha wurden seit 1978, überwiegend von Subventionen gestützt, aufgeforstet, während die Schleswig-Holsteinische Landesforstverwaltung ihren Waldanteil um 6.300 ha, ohne jegliche Unterstützung, erhöhen konnte.

Und schließlich wurden auch bei den sog. „Allgemeinwohlleistungen“, so unlängst bei dem Schutz von Altholzbäumen im Privatwald praktiziert, sämtliche Förderungsmöglichkeiten unabhängig von der Bedürftigkeit ausgeschöpft. Allerdings ist die berechtigte Inanspruchnahme von Fördergeldern aus Sicht der AGNJ völlig legitim und wird durch EU- oder Landesregelungen gedeckt, bei der Frage nach der „Effektivität“ müssen aber alle Tatsachen auf den Tisch!

Die AGNJ-SH fordert alle Politiker im Lande auf, sich gegen den Verkauf des Landeswaldes auszusprechen und die Verantwortung für die nachhaltige Nutzung des „Bürgereigentums Landeswald“ in den Händen der bewährten und allseits anerkannten Landesforstverwaltung zu belassen.