Der AGNJ-Blog DER VEREIN JAGD HEUTE GESETZE UND VERORDNUNGEN DOWNLOAD-BEREICH ÖJV Links zu Naturschutzverbänden u.s.w. Archiv 2009 Archiv 2008 Archiv 2007 und früher IMPRESSUM
Startseite Archiv 2007 und früher Archiv Jagd Kormorane im Visier

Archiv 2007 und früher


Archiv Jagd Archiv allgemeines

Achtung Wildwechsel – Unfallgefahr! Kormorane im Visier Mehr „Dampf“ auf Damwild! Wildbret mit Genuss Der Schrotschuss Verwerten von Wildbret Jagdzeiten VO in SH Jagdscheinprüfungsordnung Wild- und Grünbrücken erwünscht Der Winterfuchs AGNJ-SH will sich verstärkt dem Rotwild widmen Umgang mit tierischen Abfällen



Kormorane im Visier

Ziel des christdemokratischen Vorstoßes war es, „erhebliche fischereiwirtschaftliche Schäden“ abzuwenden und die heimische Tierwelt zu schützen.
Die Vertreter der anderen Fraktionen bezweifelten die Wirkung einer Abschuss-Erlaubnis: Um die Fischerei dauerhaft als Wirtschaftszweig zu bewahren, würden bereits bestehende Regelungen ausreichen.
Zurzeit existiert eine Richtlinie, die in Ausnahmefällen so genannte “Vergrämungsabschüsse“ erlaubt. Damit gab sich die CDU nicht zufrieden: Abschüsse der Vögel sollten vom 1. August bis zum 31. März erlaubt sein, um die Population des Kormorans auf ein „für die schleswig-holsteinische Kulturlandschaft erträgliches Maß zu reduzieren“, heißt es in dem Antrag.
Insgesamt gibt es im Land etwa 10.000 Exemplare des Phalacrocorax carbo sinensis, wie Biologen den Kormoran nennen.
Umweltminister Klaus Müller (Grüne) sah in der Genehmigung von Abschüssen in FFH- und Vogelschutzgebieten einen Verstoß gegen europäisches Recht. Zudem würden seit 2001 jährlich rund 650 Kormorane getötet, um den Bestand zu regulieren. „Politisches Aufplustern und wildes Flügel-Schlagen“ beobachtete Sandra Redmann (SPD) im Parlament. Die Binnenfischerei leide aber nicht am Kormoran, sondern an verändertem Verbraucherverhalten und zunehmender Konkurrenz.
Herlich Marie Todsen-Reese (CDU) räumte zwar ein, dass an der schwierigen Lage der Fischereiwirtschaft nicht allein der Kormoran schuld sei. Dennoch stelle er eine zusätzliche Belastung für die nur noch 30 Betriebe dieser Branche dar. „Niemand geht es um die Ausrottung, aber es geht um einen vernünftigen, dauerhaften Bestand“, so Todsen-Reese. Diesen könne man bereits mit etwa 500 Brutpaaren sichern – momentan nisten etwa 2.200 Paare in Schleswig-Holstein.
„An dem schwarzen Vogel scheiden sich im Land die Geister“, konstatierte Günther Hildebrand (FDP). Der Kormoran-Bestand habe sich so weit erholt, dass er keinen Schutz mehr benötige. Allerdings vermisste Hildebrand bei der CDU eine Analyse, wie sich Abschüsse auf die Population auswirken würden.
Auf natürliche Bestandsregelungen verwies Detlef Matthiessen (Grüne). Ein natürlicher Feind des Kormorans sei der Seeadler, dessen Bestand sich dank geleisteter Naturschutz-Maßnahmen deutlich erholt habe.
Lars Harms (SSW) sah keinen dringenden Handlungsbedarf. Langfristig plädierte er für ein Kormoran-Management, das die Bestände zentral reguliert.

Quelle,
Zeitschrift des Schleswig-Holsteinischen Landtages „Der Landtag“, Ausgabe 9/04.