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Vernachlässigung natürlicher Stoffkreisläufe

g.h.
Die zunehmende Verschärfung von Hygiene - Vorschriften durch die EU-Verwaltung und Behörden der Bundesrepublik Deutschland greift immer stärker auch in jagdliche Belange ein, die von hoher ökologischer Bedeutung sind. Beim Bemühen um die Perfektionierung der Hygiene im Umgang mit tierischen Abfällen läuft nach unserer Einschätzung die Verwaltung Gefahr, die Bedeutung der Leichen und Abfälle von Wildtieren für die natürlichen Stoffkreisläufe zu vernachlässigen.


In der Folge ist nicht auszuschließen, dass Jäger verpflichtet werden könnten, sowohl sogenanntes Fallwild als auch Reste aus der Wildverwertung (u.a. Felle, Federn, Eingeweide, Füße, Köpfe, „Luder“...) nicht mehr in den Revieren zu belassen, sondern der Tierkörper-Verwertung zuzuführen.

In natürlichen und naturnahen Ökosystemen jedoch sind die Kadaver von Tieren wesentliche und z.T. einzige Nahrungsgrundlage bzw. Substrat und Material-Lieferanten für eine kaum überschaubare Fülle von Organismen in der ganzen Breite von Bakterien bis zu den größeren Aasfressern unter den Säugetieren und Vögeln.

Scharfe Hygiene-Regelungen würden dazu beitragen, die Lebensgrundlagen dieser organische Stoffe verwertenden Kleinstlebewesen ( Destruenten) schwerwiegend zu beeinträchtigen und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch diverse Arten, insbesondere die spezialisierten Formen, in ihrem Fortbestand zu gefährden.



Vor Entscheidungen Studien durchführen

Über diese Zusammenhänge und Abhängigkeiten ist jedoch wenig bekannt, weil entsprechende Forschungen vernachlässigt wurden. Natürlich weiß man, dass etwa Füchse, Wildschweine, Spitzmäuse und diverse aasbewohnende Käfer und Fliegen auf Kadavern zu finden sind.

Jedoch sind – mit Ausnahme von Studien der forensischen Medizin an menschlichen Leichen - umfassendere qualitative und quantitative Freiland-Erhebungen bisher nicht vorgenommen worden.
Ebenso ist das Wissen zum Ausmaß der pathogenen Auswirkung von Tierleichen auf Mensch, Haus- und Wildtier (Botulismus, Milzbrand, Schweinepest ...) noch unzureichend.

Daraus ist zu folgern, dass bereits bestehende und mögliche zukünftige Entscheidungen zum Umgang mit Tier-Abfällen im Freiland auf dürftigen Basis-Informationen beruhen könnten. Es ist nicht auszuschließen, dass die Umsetzung unausgereifter Verordnungen zu erheblichen Störungen im Naturhaushalt führen kann. Damit werden solche Regelwerke leicht anfechtbar.

Deshalb empfiehlt die AGNJ den zuständigen schleswig-holsteinischen Behörden, die Initiative zu ergreifen, bevor ungesicherte Entscheidungen getroffen werden, und entsprechende Studien zu ermöglichen. Das Land würde damit eine Vorreiterrolle in Europa einnehmen.
Eine Finanzierung aus der Jagdabgabe ist naheliegend. In Anbetracht der überregionalen Bedeutung der Untersuchungen sollten Kofinanzierungsmöglichkeiten bei der Bundesregierung und der EU-Verwaltung, vielleicht auch in benachbarten Bundesländern, sondiert werden.

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