Gatterjagden endlich auch in Schleswig-Holstein verboten !

Nachdem nach 15 Jahren (Jagdgesetznovelle von 1999) die Jagdgatter nicht verschwunden sind, handelte die Landesregierung ! Die Rechtmäßigkeit hat nun auch das Verwaltungsgericht in Schleswig bestätigt ! Doch die Gatterjäger wollen noch nicht aufgeben !

Bericht aus den Lübecker Nachrichten vom 10.05.2017:

Die Familie von Bismarck kassiert eine Niederlage vor Gericht. Ihr Anwalt will noch nicht aufgeben.

Nicht einmal die Jagd mache ihm noch Freude, klagte Otto von Bismarck (1815-1898) in seinen letzten Lebensjahren wiederholt. Vielleicht lag es aber auch an seinem Jagdgatter bei Aumühle (Kreis Herzogtum Lauenburg). Eigens geschaffen, um möglichst bequem dem darin eingezäunten Wild nachstellen zu können . . .

Genau darum ging es gestern vor dem Verwaltungsgericht Schleswig. Denn: Bis heute betreiben die Bismarcks zwei mehrere hundert Hektar große Jagdgatter - eins für Schwarzwild (Wildschweine), eins für Rotwild - die Hirschgeweihe sind begehrte Trophäen. Problem: Seit 1999 ist derlei in Schleswig-Holstein verboten.

?Ein Kulturdenkmal? seien die Gatter, hebt Rechtsanwalt Florian Schell, der die Familie vertritt, gestern vor Gericht hervor. ?Schon aus historischen Gründen muss es Bestandschutz geben.?

Für das Kieler Umweltministerium indes sind die Gatter ?ein Relikt aus der Zeit des Feudalismus?. Selbst der Landesjagdverband nennt sie ?unweidmännisch? - und Nabu-Chef Ingo Ludwichowski gar ?ein Jagdbordell?.

Graf Gregor von Bismarck als Kläger ist zur Verhandlung nicht erschienen. Dafür eine Eigentümerin aus Wiedenborstel (Kreis Steinburg), die ebenfalls ein Jagdgatter betreibt - hauptsächlich für Muffelwild (Wildschafe). ?Wildschweine können durch Sauklappen rein und raus?, betont ihr Anwalt Florian Asche.

Seine Mandantin und die Familie von Bismarck sind landesweit die einzigen Betreiber solcher Jagdgatter. ?Es gibt nur diese drei?, stellt Schell fest und bezeichnet das Verbot als ?Lex Bismarck?. Ein Einzelfallgesetz, das gegen Grundrechte verstoße. Zudem handele es sich um eine entschädigungslose Enteignung, die so ebenfalls grundgesetzwidrig sei.

Die Kreise Herzogtum Lauenburg und Steinburg sahen das anders. Sie erließen auf Grundlage des Landesjagdgesetzes entsprechende Bescheide zur Schließung der Gatter und zur Einstellung der Jagd darin.

Wohlgemerkt nachdem eine 15-jährige Übergangsfrist für die Eigentümer Ende 2014 ausgelaufen war.

Es geht um viel Geld: ?Der Wert der Forstfläche liegt ohne Gatter bei rund 10000 Euro pro Hektar?, sagt Florian Asche. ?Mit Gatter ist es das Zwei- bis Vierfache.?

Auch Jagdgäste lohnen sich. Inzwischen hätten mehrere Jagden nicht stattfinden können, argumentieren die Anwälte. Darunter Gästejagden und eine Geburtstagsjagd.

?Der Gedanke der naturnahen Jagd ist nicht geeignet, einen solchen Eingriff in das Eigentumsrecht zu rechtfertigen?, meint Florian Schell. Im übrigen sei der Gatter-Wald naturnäher als manch andere Fläche. Nur zweimal im Jahr werde in den gräflichen Gattern gejagt. Derzeit bestehe allerdings das Problem, dass der Wildbestand wachse - und eine Bejagung aufgrund der unklaren Rechtslage nicht stattfinden könne.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Holger Bruhns wies die Klagen trotz all dieser ausführlich vorgetragenen Argumente ab. Lediglich die Klägerin aus Wiedenborstel erzielte einen Teilerfolg: Ihr war von der Unteren Jagdbehörde auferlegt worden, ihren gesamten Muffel-Bestand zu töten. Das bleibt ihr nun erspart.

Tenor: Die Gatter müssen weg, jagen dürfen die Bismarcks dann - wie jeder andere Jäger auch - zu den gesetzlich geregelten Zeiten.

Dennoch werden die Gatter aller Voraussicht nach nicht sofort verschwinden. ?Den Klägern bleibt die Möglichkeit der Berufung beim Oberverwaltungsgericht?, informiert Gerichtssprecher Harald Alberts.

Dieses müsste die Berufung aber erst zulassen. Die Anwälte wollen sich nicht geschlagen geben. Sie kündigten an, vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen.