Hohe Verluste an Gams- und Rotwild durch Extremschneelage vom Januar 2019 in den bayerischen Alpen !

Extreme Schneefälle haben alpines Wild wohl schwer getroffen

Es sind alles keine schönen Entdeckungen, die gegenwärtig von manchem Jäger in den bayerischen Alpen gemacht werden: „Seit die wärmere Witterung einige Ecken wieder etwas zugänglicher gemacht hat, wurden bei uns bereits 15 tote Gämsen entdeckt – meist von Lawinen verschüttet“, berichtet Lothar Zettler. Er ist Stiftungsratsmitglied der Manfred-Kurrle-Naturschutzstiftung, der ein weites Gebiet südlich des Oberallgäuer Ferienorts Oberstdorf gehört. Zettler ist dort für die Jagd verantwortlich. Wie er erzählt, sind in diesem Revier auch bereits tote Hirsche aus dem Schnee aufgetaucht. Von fünf Tieren ist die Rede.

Der Bayerische Jagdverband ist bereits alarmiert. „Erste Meldungen aus den Hochwildrevieren der bayerischen Alpen lassen Übles ahnen“, sagt Pressesprecher Thomas Schreder. Der ganze Umfang an toten Tieren sei aber noch längst nicht absehbar. Erst müsse der Schnee überall getaut sein. Damit meint er, dass sehr hoch gelegene Revierteile erst im Juni wieder zugänglich werden.

Sondersituation in diesem Jahr

Nun ist es normal, dass nicht alle Wildtiere den Winter überleben. Schreder verweist aber auf eine diesjährige Sondersituation. Sie habe womöglich extreme Folgen. „Anfang Januar gab es in kurzer Zeit sehr viel Schnee“, kommt der Verbandssprecher auf das Problem zu sprechen.

Wer sich noch daran erinnert: Speziell am 5. und 6. Januar hat es ungewöhnlich stark geschneit. „Das Wild“, sagt Schreder, „wurde letztlich überrascht und praktisch eingeschneit, wo es gerade war.“ Die Folge: Die Tiere konnten womöglich wegen der plötzlich sehr hohen Schneelage weder lawinengefährdete Einstände verlassen noch Nahrung suchen.

Bei einem der verendeten Hirsche, der südlich von Oberstdorf im Trettachtal bereits vor Wochen gefunden wurde, geht der zuständige Berufsjäger davon aus, dass sich das Tier wohl aus einem weiter entfernten Schneeloch noch bis in die Nähe einer Fütterungsstelle durchkämpfen konnte. Dann sei es kurz vor dem Ziel zusammengebrochen. Nicht unwahrscheinlich. Selbst in den Fernsehnachrichten wurden im Januar Bilder aus den Bergen gezeigt, die feststeckendes Rot- und Gamswild zeigten. Der Bayerische Jagdverband hatte gleich nach den starken Schneefällen den Einsatz von Bundeswehr-Hubschraubern für den Futtertransport ins Hochgebirge gefordert. Dass es zu solchen Flügen gekommen wäre, ist nicht bekannt.

Schonzeit aufgehoben

Während der Notzeit kam es dann zu einem weiteren Ereignis, das vor allem die Weidmänner erschütterte: Die Regierung von Oberbayern hob erneut für viele Bergregionen die Schonzeit für Rot-, Reh- und Gamswild auf. Ein Beschluss mit der Dauer von fünfeinhalb Jahren. Für die Tiere heißt dies konkret, dass ihnen das ganze Jahr nachgestellt werden kann – auch im Winter, sollte es die Schneelage zulassen. Hintergrund der Entscheidung ist die Ansicht, die besagten Wildarten würden den Bergwald stark schädigen. Besonders der bayerische Staatsforst führt dieses Argument immer wieder an. Er sieht durch Wildverbiss und Schälschäden an Bäumen die Schutzfunktion des Waldes in Bezug auf Lawinen- oder Murenabgänge gefährdet. Eine scharfe Bejagung sei nötig, heißt es seit Jahren von seiner Seite.

Inzwischen bremst aber das vorgesetzte Landwirtschaftsministerium in München ein wenig. Martin Hecht, einer der Behördensprecher, teilt mit: „In Folge des Klimawandels sind jedoch zunehmend extreme Witterungsereignisse zu erwarten, die den Tieren auch schwerer zu schaffen machen können.“ Deshalb habe Ministerin Michaela Kaniber (CSU) kürzlich die Forschung zum Schalenwild im Bergwald ausgeweitet. Es solle unter anderem untersucht werden, welchen Einfluss solche starken Schneefälle wie im Januar auf die Bestände haben.

Indes geht der BUND Naturschutz von keinen „überdurchschnittlichen Verlusten“ beim alpinen Wild aus. Es sei „sehr gut auch an hohe Schneelagen und kalte Winter angepasst“. Eine Ruhepause mit Blick auf den Abschuss hätten die Tiere nicht nötig. Die Jägerschaft in den Gebirgsregionen ist in dieser Frage gespalten. So soll etwa im Oberallgäu bis auf ein Revier der bisherige Gamsabschuss beibehalten werden. Ein Pächter möchte sogar mehr schießen.

In der Hochwildhegegemeinschaft Ammergebirge im östlichen Allgäu will man hingegen erst im Juni konkret über den diesjährigen Abschuss entscheiden. „Sobald wir einen Überblick über die Fallwildzahlen haben“, heißt es von dort.

 

 

 Quelle:  Schwäbische Zeitung, Ravensburg