JAGD UND GESELLSCHAFT


Felszeichnung
Felszeichnung
Foto: Paul

Jagd ist eine der ältesten Formen von Ressourcen-Nutzung, neben dem Sammeln gleichsam die Urform überhaupt.
Jedoch haben sich im Laufe der Geschichte sowohl die jagdlichen Rahmenbedingungen als auch die Einstellungen der Gesellschaft zum Thema Jagd tiefgreifend, und zwar meist negativ, verändert.

Inhalte und Ausführungsmerkmale der Jagd wurden durch die Jäger in vielfacher Hinsicht verfremdet bis pervertiert. Damit entfernte sie sich immer mehr von den sonstigen Formen der Landnutzung. Entsprechend wurden in zunehmend intensiv genutzten Lebensräumen Wildtiere als störende Konkurrenten angesehen und zum Teil rigoros verfolgt bis ausgerottet, und dieses vorwiegend durch Entziehung ihrer angemessenen Lebensgrundlagen.


Wildtiermanagement

Erst in jüngerer Vergangenheit begann sich zunächst vereinzelt, dann mit vermehrtem Gewicht die Erkenntnis durchzusetzen, dass ein zeitgemäßes Wildtiermanagement zum Ziel haben muss, durch rationales jagdliches Handeln sowie durch naturnahe Lebensraum-Gestaltung Flora und Fauna bestmöglich aufeinander abzustimmen, um gerade dadurch stabile und vitale Lebensgemeinschaften der Kulturlandschaften auszubilden.

Vitalität kann dabei nicht einseitig mit Trophäenstärke gleichgesetzt werden, sondern es müssen die gesamten Lebensumstände (Populationsdynamik, Gesundheit, Reaktionsfähigkeit auf Umwelteinflüsse etc.) Berücksichtigung finden.
Natürliche Räuber-Beute-Beziehungen zu tolerieren, ggf. sogar zu fördern, unterscheidet modernes Wildtiermanagement von der herkömmlichen Praxis einer selektiven Bevorzugung „erwünschter“ Arten.

Jagd geht immer auch die Gesellschaft an.
Gesellschaftliche Akzeptanz wiederum kann nur im Einklang mit dem Tierschutz sowie dem Natur- und Artenschutz erreicht werden. In diesem Zusammenhang sind z.B. bestimmte Jagdarten wie Treib- und Drückjagd, Fallenjagd, Bau- und Wasserjagd, wie auch die Abschusspraxis bei wildernden Hunden und Katzen, einer offenen und differenzierten Prüfung zu unterziehen.

Jagd naturnah

Jagd heute muss sich für die nachhaltige Nutzung von nicht gefährdeten Wildtierarten in ihren artgemäßen und naturnah gestalteten Lebensräumen einsetzen.
Nicht gefährdete Arten sind solche, die auf Grund der jeweiligen Entwicklung ihrer Population und der Kapazität des Lebensraumes in ihrem Bestand stabil sind.
Zur Erfassung der aktuellen Bestandesdynamik bedient sich die Jagd fachlich anerkannter Wildtier-Monitoring-Methoden.
Die Rückkehr ehemals heimischer (autochthoner) Arten wird prinzipiell gut geheißen und gefördert.

Die Jagd in Schutzgebieten unterschiedlicher Kategorien (Naturschutzgebiete, Nationalparke, Waldschutzgebiete, intensive Erholungsräume) hat in erster Linie dem Schutzzweck und -ziel zu dienen. Demgegenüber müssen jagdliche Ansprüche von nachrangiger Bedeutung sein. In diesen Gebieten ist die Jagd Teil der dafür vorgesehenen Zielvorgaben und Verordnungen. Sie kann dabei, im Rahmen von Schutzkonzepten, Managementaufgaben wahrnehmen.

Wildtiergerechtigkeit

Wildtiergerechtigkeit, d.h. die Achtung des Wildtieres als Mitgeschöpf,
kann der Öffentlichkeit nicht durch beharrliche Reproduktion überholter jagdlicher Riten vermittelt werden. Vielmehr sollen Jäger ihr Handwerk aufgeklärt, verantwortungsbewusst und beispielhaft ausüben.
Dazu gehört, dass sie Wildtiere, deren Bestand auf natürliche Weise nicht reguliert wird, möglichst effizient und störungsarm, und somit tierschutzgerecht, töten.

Jagd bedeutet immer auch Störung, besonders in Zusammenhang mit häufigen Reviergängen oder Ansitzen. Deshalb müssen, auch gemäß dem Stand der Wildtierforschung, wirksame und zugleich störungsarme Jagdmethoden eingeführt werden. Außerhalb der eingeschränkten Bejagungszeiten sollen Wildtiere in Ruhe ihren Lebensrhythmus finden und beibehalten können.
Zur Wildtiergerechtigkeit zählen darüber hinaus die gründliche und praxisnahe Ausbildung der Jägerinnen und Jäger (Aus- und Fortbildung von Jägerinnen und Jägern).

Verhältnis zu Grund- und Waldbesitzern

In unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft steht die Jagd in der Pflicht zur Einhaltung einer planvollen Balance innerhalb des Naturhaushaltes, – zur Sicherung und Förderung naturnaher Land- und Forstwirtschaft.
Grund- und Waldbesitzer entscheiden vorrangig über die Ausübung der Jagd und die jagdlichen Ziele auf ihren Flächen, unter Respektierung der Sozialpflichtigkeit des Eigentums.
Daher wirken Jäger, zur Abstimmung der gemeinsamen Interessen, mit den Grund- und Waldbesitzern sowie den Vertretern des Naturschutzes zusammen. Gemeinsam schützen und gestalten sie die Lebensräume der Wildtiere.


Erscheinungsbild der Jäger in der Öffentlichkeit

Gesellschaftliche Akzeptanz und Glaubwürdigkeit der Jägerei hängen nicht zuletzt mit der sichtbaren Jagdausübung zusammen. Für alle Wald- und Landschaftsbesucher anschaulich wahrnehmbar und meinungsbildend sind Jagdeinrichtungen wie Kanzeln, Hochsitze, Wildäcker, Kirrungen etc., und ganz besonders die Begegnung mit dem Jäger in der Natur.

Die Verwendung landschaftlich angepasster Ansitze und gesetzeskonforme Maßnahmen wie der Verzicht auf Wildfütterungen und überladene Kirrungen können das Ansehen der Jagd in der Öffentlichkeit positiv beeinflussen. Hierzu gehört auch, die Effizienz der Jagdausübung auf geeignete Weise – z.B. durch solche Gemeinschaftsjagden, bei denen das zu erlegende Wild nicht hochflüchtig beschossen werden muss – zu gewährleisten.

Neben den Jägern haben auch andere Personen berechtigten Anspruch auf Nutzung der Natur. Verständnis für die in der Landschaft Entspannung und Erholung suchenden Menschen und weitere Naturinteressierte sind Grundvoraussetzung für eine akzeptierende Einstellung zum Phänomen Jagd in unserer Gesellschaft. Hierzu ist die Bereitschaft zu partnerschaftlicher Gesprächsführung und bereitwilliger Aufklärung von Revierbesuchern von wesentlicher Bedeutung.