Jagd auf Raubsäuger

Jagd auf Raubsäuger in Schleswig-Holstein? Die schleswig-holsteinische Landesregierung hat 2002 die unbefristete Verlängerung einer Landesverordnung über die Fangjagd sowie eine neue Landesverordnung über jagdbare Tierarten und über die Jagdzeiten beschlossen. Beide Regelwerke haben erhebliche Bedeutung auch für die einheimischen Raubsäuger, also die Marderartigen, Füchse, Marderhunde und Waschbären.

Erfreulich ist die längst überfällige Aufhebung der Jagdzeiten für Hermelin und Mauswiesel. Diese dürfen nicht mehr getötet werden. Mit Befremden jedoch registrieren die Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Jagd/Schleswig-Holstein und mit ihr weitere Jäger, Naturschützer, Tierschützer und Biologen, dass die Landesregierung noch nicht die Chance wahrgenommen hat, sämtliche Raubsäuger, in einem zeitgemäßen Räuber-Beute-Verständnis, als wesentlichen Bestandteil der Lebensgemeinschaften zu würdigen und zu schützen.

Füchse und Minks, Marderhunde und Waschbären dürfen nach der neuen Regelung acht bzw. siebeneinhalb Monate des Jahres zwischen dem 1. Juli und 28. Februar bejagt werden. Das aber deckt sich nicht mit dem erklärten Ziel der Landesregierung, Jagdzeiten zu verkürzen. So werden diese Arten gleichsam zu Lästlingen degradiert. Ihre Felle sind nur bedingt als Winterfelle nutzbar. Tiere, die außerhalb dieser Periode getötet werden, können lediglich als Abfall entsorgt werden.

Problematisch erscheint zudem die Tatsache, dass die neue Verordnung ausdrücklich die Möglichkeit bietet, Jungtiere der genannten Arten bereits in ihren ersten Lebensmonaten zu töten.


Biologische Aspekte

Raubwild (die jagdliche Bezeichnung für Raubsäuger und Greifvögel) wird noch immer von manchen Jägern und Teilen der Gesellschaft als Konkurrent, Lästling und Feind des Menschen gesehen.

Dagegen gehören viele Raubsäuger zur angestammten heimischen Fauna.
Von den Mardern sind dies Mauswiesel, Hermelin, Baum- und Steinmarder, Iltis, Otter und Dachs.
An die Stelle des ehemals auch in Schleswig-Holstein vorkommenden und seit Beginn des letzten Jahrhunderts ausgestorbenen Nerzes ist der amerikanische Farmnerz oder Mink getreten, der aus Pelztierzuchten in die Freiheit gelangte.
Auch verwilderte Frettchen ( für die Kaninchen-Baujagd domestizierte Iltisse) sind vereinzelt anzutreffen.
Von den Hundeartigen lebt bei uns ursprünglich nur der Fuchs.
Neu eingewandert und in geringer Dichte in Schleswig-Holstein weit gestreut verbreitet ist der Marderhund, der zwischen den Weltkriegen in der ehemaligen Sowjetunion westlich des Ural in großen Aussetzungsaktionen zur Pelzgewinnung angesiedelt wurde.
Ein Neubürger aus Amerika ist der Waschbär. Er wurde in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts in Hessen eingebürgert und lebt inzwischen auch in Schleswig-Holstein.
Als häufig gelten Fuchs und Steinmarder sowie Hermelin und Mauswiesel. Sehr selten ist der Otter.

Neue Arten

Die neuen Arten wie Waschbär, Marderhund und Mink gelten als unerwünschte Neubürger und haben deswegen eine sehr lange Jagdperiode. Diese Regelung stützt sich auf eine unter Fachleuten umstrittene Empfehlung der EU, solche Arten auszurotten, weil sie " ... bewiesenermaßen eine Bedrohung für die Artenvielfalt darstellen"
Der Beweis für die Richtigkeit dieser Schuldzuweisung dürfte schwerlich zu erbringen sein. Immerhin gibt es empirisch gesicherte Untersuchungen, welche die Annahme stützen, dass sich die neuen Arten bei uns durchaus ohne dramatische Folgen einfügen.
Keiner der jagdbaren Raubsäuger ist ausschließlich Fleischfresser. Sie sind auch keine Spezialisten, die nur Meisen oder junge Fasanen töten. Auf ihren Speisezetteln finden sich im Jahreslauf, neben Pflanzenkost, Insekten, anderen Wirbellosen und Küchenabfällen, auch Vögel oder Säugetiere und deren Aas.


Positive Wirkungen

Der gestaltende Einfluss von Raubwild auf Größe und Zusammensetzung der Bestände ihrer Beutetiere wird immer noch entschieden einseitig bewertet. Sie gelten lediglich als "Räuber", also als Tiere, die auf Kosten anderer leben.
Raubwild hat jedoch auch vielfältige positive Wirkungen in der Dynamik von Lebensgemeinschaften, indem es z.B. hohe Nachwuchsraten bei häufigen Arten abschöpft und so für notwendigen Ausgleich sorgt.
Der Einfluss von "Räubern" (Gesundheitspolizisten) auf Auslesevorgänge in den Beutetierpopulationen, der in der Entwicklungsgeschichte unserer Natur von erheblicher Bedeutung war und ist, findet bisher in der Diskussion keine Berücksichtigung.
Die Rolle des Raubwildes als "Fitness- Trainer" für andere Tierarten wird nicht gewürdigt. Nicht zuletzt das Raubwild sorgt dafür, dass diese Arten ständig wachsam, reaktionsschnell und gesund sind. Wer Schwäche zeigt, wird ausgelesen.