SCHALENWILDMANAGEMENT

Das schleswig-holsteinische Landesjagdgesetz von 1999 fordert in den §§ 1 und 17 alle Jäger auf, die stark angewachsenen Schalenwildbestände auf ein naturverträgliches Maß zu reduzieren und damit vornehmlich die Schäden in Wäldern und an Knicks zu mindern.
Die geltenden Durchführungsrichtlinien für die Bewirtschaftung des Schalenwildes sind, gegenüber früheren Regelungen, zwar fortschrittlich, haben aber trotzdem keine deutliche Abhilfe geschaffen.
Problem Schalenwild-Dichten

Hohe Wildbestände in Verbindung mit zunehmender Verkehrsdichte bedingen wachsende Unfallrisiken, bei denen Menschen, Wild und Fahrzeuge zu Schaden kommen.
Immer noch sind Verbiss-, Schäl- und Fegeschäden in Wäldern, an Knicks sowie auf landwirtschaftlichen Flächen - hier auch Wühlschäden durch Wildschweine - unvertretbar hoch.
Dies ist betriebs- und volkswirtschaftlich wie auch ökologisch oft nicht hinnehmbar.


Die Schäden sind bedingt durch lokal und saisonal zu hohe Dichten von Schalenwild. Hinzu kommen Wildkonzentrationen, die durch ungeeignete Jagdmethoden verursacht oder durch unzulässige Fütterungen gezielt herbeigeführt werden. Es gibt auch Grund zu der Annahme, dass viele Jäger nach wie vor antiquierte Vorstellungen von Jagd und "Hege" pflegen und bei der Beantragung von Abschüssen aus den Revieren niedrigere Bestände melden als tatsächlich vorhanden sind. Abschüsse beim männlichen Wild werden in der Regel vollständig erfüllt, während der Anteil weiblicher Tiere als Zuwachsträger oft nur unzureichend entnommen wird.
Großräumige Konzeptionen erforderlich

    Durch herkömmliche Erfassungsmethoden werden die Bestände zu niedrig kalkuliert.
    Zählungen und Bestandesschätzungen haben sich als trügerische Basis für die Abschussregelung erwiesen.
    Alternative Methoden zur Ermittlung von Größe, Wachstumstendenzen und Verbisswirkung der Bestände als Indikatoren für die jeweilige Wilddichte werden noch nicht flächendeckend eingesetzt.
    Nur wenige Hegegemeinschaften zeigen sich dafür aufgeschlossen, über die engen Reviergrenzen und bisweilen egozentrischen Ansprüche von Revierbetreuern hinweg eine biologisch sinnvolle Raumplanung und jagdliche Bewirtschaftung bei ihren Schalenwildbeständen zu praktizieren.

Noch mangelt es an großräumigen Konzeptionen und an der Bereitschaft zum Engagement weit über die engen Reviergrenzen hinaus. Mehr Solidarität unter den Jägern bei Planung und Durchführung zeitgemäßer Bewirtschaftungsmethoden würde dazu beitragen, Probleme nachhaltig zu lösen.