Bejagung der Hirsche

Die Bewirtschaftung der einheimischen Hirscharten (Rotwild, Damwild, Rehwild) muss, in Anbetracht ihrer unterschiedlichen Lebensweise und Verbreitung im Lande, unterschiedliche Strategien verfolgen.


Das Rotwild ist das größte freilebende terrestrische Wildtier in Schleswig-Holstein.
Der Schwerpunkt seines relativ kleinen und inselartig strukturierten Verbreitungsgebietes liegt im waldreicheren Süden und Südosten des Landes. Die Population ist klein.
Das Ausmaß der Gefährdung der genetischen Stabilität ist unbekannt. Es liegen jedoch bereits Indizien für eine genetische Verarmung vor. Der langfristige Fortbestand einer vitalen Population ist nicht gesichert.
Eine wildökologische Raumplanung, die auch die Schaffung von Verbindungskorridoren zwischen den Teilbeständen und eine Ausdehnung des Verbreitungsgebietes prüft, mit besonderer Berücksichtigung der Wiederbesiedlung ehemaliger Einstandsgebiete im Norden des Landes, erscheint dringend erforderlich.
Rotwild ist ursprünglich kein reiner Waldbewohner. In Zukunft sollten ihm mehr Möglichkeiten geschaffen werden, Lebensräume auch außerhalb geschlossener größerer Waldkomplexe zu besiedeln.

Die Bewirtschaftung des Damwildes ist auch vor dem Hintergrund zu betrachten, dass es ursprünglich aus Kleinasien stammt und nach jahrhundertelanger Haltung in Gefangenschaft in Mitteleuropa erst ab dem 18. und 19. Jahrhundert nennenswerte Freilandbestände bilden konnte. Es handelt sich also um eine neu eingebürgerte, vom Menschen züchterisch in Gefangenschaftshaltung erheblich beeinflusste Art.
Infolge hoher Akzeptanz in der Jägerschaft und der günstigen Lebensbedingungen hat es sich in den letzten Jahrzehnten räumlich stark ausgebreitet. Gleichzeitig wuchsen die Bestände an.

Damwild bevorzugt einen Lebensraum mit einem lockeren Gemisch aus Wald und offenen Flächen. Seine Sommereinstände finden sich vielfach in deckungsreichem Getreide und auf den Rapsschlägen. Im Winter steht es, zumeist in größeren Rudeln, im Wald und auf waldnahen Freiflächen.

Rehwild, ursprünglich Bewohner des Waldes und der Waldränder, besiedelt in Schleswig-Holstein expansiv und flächendeckend nahezu alle terrestrischen Lebensräume, einschließlich der unbewaldeten Gebiete in der Marsch und der menschlichen Siedlungsbereiche.
Seine Bestandesdichten und damit auch die Jagdstrecken sind hoch.
Zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass die bisher gültigen Vorstellungen von "Hege" und Bestandes-Bewirtschaftung beim Rehwild vielfach ihre Ziele verfehlt haben.