Gatterjagden endlich auch in Schleswig-Holstein verboten !

Nachdem nach 15 Jahren (Jagdgesetznovelle von 1999) die Jagdgatter nicht verschwunden sind, handelte die Landesregierung! Die Rechtmäßigkeit hat  auch das Verwaltungsgericht in Schleswig bestätigt ! Wiederum Klage ! Jetzt müssen die Jagdgatter endgültig beseitigt werden stellte das Bundesverfassungsgericht fest . Wald darf jetzt wieder Wald sein !

Bericht aus den Lübecker Nachrichten vom 13.07.2019

Von Bismarck muss die Jagdgatter aufmachen

Bundesverfassungsgericht nimmt Klage gegen die Zwangsöffnung nicht an.
Reduzierung des Bestandes hat bereits begonnen. Im kommenden Jahr gehen die Tore auf. Graf von Bismarck zieht vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH).

VON HOLGER MAROHN

Im Sachsenwald betreiben die von Bismarcks seit fast 150 Jahren zwei Jagdgatter. Seit 1999 sind diese vom Land verboten. Doch die Nachfahren des Eisernen Kanzlers weigerten sich, die Zäune abzubauen – bislang.

Friedrichsruh/Ratzeburg. Die beiden Jagdgatter im Sachsenwald haben Tradition, eine fast 150-jährige. Doch mit den Gesellschafts- und Geburtstagsjagden auf eingesperrte Tiere ist nun Schluss. Auch vor dem Bundesverfassungsgericht hatten die Nachkommen des Eisernen Kanzlers keinen Erfolg. Die höchste nationale richterliche Instanz habe die Klage nicht angenommen, berichtet Landrat Dr. Christoph Mager. Für den Kreis bedeute das nun, die bereits im Januar 2015 erstellten Bescheide zur Beseitigung der Gatter müssen umgesetzt werden.

Auch in Schleswig-Holsteins Umweltministerium ist man nach dem jahrelangen Rechtsstreit erleichtert. „Es freut uns, dass nun mit dem Abbau der Jagdgatter im Sachsenwald angefangen wird“, sagt Staatssekretärin Dorit Kuhnt. Um die für die Beseitigung der Gatter erforderliche Reduzierung des Wildbestandes auch umzusetzen, hätten die Eigentümer nach dem Landesjagdgesetz die Möglichkeit, Ausnahmen vom Jagdverbot in Jagdgattern genehmigt zu bekommen.

Das Land hatte im Zuge einer Änderung des Landesjagdgesetzes 1999 Jagdgatter in Schleswig-Holstein allgemein verboten. Eine 15-jährige Übergangsfrist lief im Oktober 2014 aus. Da die Gatter nicht aufgelöst waren, ordnete der Kreis im Januar 2015 die Auflösung an. Doch die von Bismarcks legten Widerspruch ein, klagten im Dezember 2015 vor dem Verwaltungsgericht. Die Klage wurde im Mai 2017 abgewiesen, eine Berufung vor dem Oberverwaltungsgericht im März 2018 nicht zugelassen. Und auch eine anschließende Beschwerde in Karlsruhe wurde vom Bundesverfassungsgericht mit Beschluss vom Januar 2019 nicht zur Entscheidung angenommen.

„Die Bescheide zur Beseitigung der Jagdgatter sind somit rechtskräftig“, heißt es vom Kreis. Doch so einfach ist das mit dem Öffnen von Toren und dem Niederreißen der seit 1871 stehenden und immer wieder erneuerten Zäune nicht. Denn in dem etwa 860 Hektar großen Gatter für Rotwild und dem etwa 450 Hektar großen Wildschwein-Gatter gibt es jeweils eine viel höhere Wildtierdichte als in der Umgebung. Sollten die Begrenzungen einfach wegfallen, würden die Tiere voraussichtlich unkontrolliert in die Umgebung ausweichen und dort Schäden in Wald und Flur anrichten.

Außerdem haben weder die Tiere noch deren Vorfahren jemals eine Straße gesehen. Als die Gatter errichtet wurden, gab es noch gar keine Autos, auch die Bahnlinie Hamburg-Berlin war gerade erst gebaut. Entsprechend werden unkontrollierte Wechsel über die Straßen, vor allem über die viel befahrene durch den Sachsenwald führende Bundesstraße 404 befürchtet.

Eine Wildbiologin hat inzwischen die Bestandszahlen anhand „qualitativer Schätzungen“ ermittelt. Auf Basis dieser Schätzung sind „Bestandsregulierungsmaßnahmen“, also Abschusszahlen festgelegt worden. Diese hätten die von Bismarcks nun innerhalb des Anfang April begonnenen Jagdjahres zu erfüllen und der Unteren Jagdbehörde nachzuweisen, heißt es vom Kreis. Mit dem flächendeckenden Abschuss ist nach Angaben des Kreises auch schon begonnen worden. Allerdings gestalte sich „die Erfüllung der geforderten Abschusszahlen für die Jagdausübungsberechtigten nachvollziehbar zunehmend schwieriger“, heißt es vom Kreis. Beanstandungen in Bezug auf die Reduzierungsmaßnahmen seien bei Kontrollen durch die Jagdbehörde nicht festgestellt worden.

Nach erfolgreicher Reduzierung des Bestandes sollen dann im kommenden Jahr kontrolliert die Tore geöffnet und zunächst einzelne Zaunelemente entfernt werden. Damit soll das hinausziehende Wild kanalisiert werden. Erst sechs Monate später, also Ende 2020, sollen die Zäune komplett abgebaut werden.

In freier Natur würde das bislang eingesperrte Rotwild eine Fläche von bis zu 2000 Hektar nutzen, sagt Hans-Peter Ehlers, Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Im Gatter ist es derzeit weniger als die Hälfte der Fläche. Ob und wohin die Tiere nach Öffnung der Gatter ziehen werden, sei jedoch nicht sicher zu prognostizieren, heißt es vom Kreis.

Nach den Sommerferien und damit zu Beginn der Hauptjagdsaison soll es einen Runden Tisch mit allen Akteuren vor Ort geben und eine detaillierte Planung vorgenommen werden. „Die letzte Vorbesprechung ist durch die Dauer der Gerichtsverfahren nun schon eine ganze Weile her“, heißt es.

Die Familie von Bismarck will sich mit Verweis auf das laufende Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof nicht äußern.

Gregor Graf von Bismarck, Ururgroßenkel von Otto Fürst von Bismarck, klagt jetzt vor dem Europäischen Gerichtshof.

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