175 Jäger dürfen Problemwolf töten

29.10.2019 Lübecker/Lauenburgische Nachrichten – Schleswig-Holstein setzt 175 Jäger auf Problemwolf an
Eine Wildkamera nahm Problemwolf GW924m Ende 2018 in Moordiek (Kreis Steinburg) auf.
Das Tier ist noch immer nicht erlegt. Das Kieler Umweltministerium erweitert den Kreis der Abschussberechtigten auf Jäger in ihren Revieren
Kiel/Bad Segeberg. Jetzt wird es wohl doch brenzlig für Problemwolf GW924m: Nachdem es einer „Task-Force“ des Umweltministeriums seit Januar nicht gelungen war, das Tier zu erlegen, hat das Kieler Umweltministerium den Kreis der Abschussberechtigten nun deutlich erweitert. Bis zu 175 Jägerinnen und -jäger aus den Kreisen Pinneberg, Steinburg und Segeberg sind laut einer am Montag veröffentlichten Allgemeinverfügung ab sofort berechtigt, in ihren Revieren das Tier zu erlegen. Es hatte seit Ende 2018 mehrere Schafe und andere Nutztiere gerissen. Es gibt dort keinen anderen Wolf, das können wir sicher sagen“, erklärt Joschka Touré, Sprecher des Kieler Umweltministeriums. Insofern könne die versehentliche Tötung eines anderen Wolfes mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden. Wölfe sind ansonsten streng geschützt – sollte das falsche Tier erlegt werden, droht dem Schützen der Verlust des Jagdscheins – normalerweise. Touré jedoch beruhigt: „Die Annahme, dass es keinen anderen Wolf im Gebiet gibt, schützt den Jäger davor, Unrecht zu tun.“ Dies gelte auch, falls ein Jäger versehentlich einen neu zugewanderten Wolf schieße. Sobald es aber Anzeichen für den Aufenthalt eines zweiten Wolfes gebe,werde die Ausnahmegenehmigung für den Abschuss aufgehoben.
Zwar entspricht das jetzige Vorgehen der Forderung des Landesjagdverbandes. Vielen der nunmehr berechtigten
Jäger indes scheint die Sache trotzdem zu heiß zu sein – nicht zuletzt aufgrund der emotionsgeladenen Debatte. Nicht wenige haben Angst vor Racheaktionen von radikalen Naturschützern. „Offiziell wissen wir von nichts“, sagt Martin Brüll, Geschäftsführer der Kreisjägerschaft Segeberg. „Außerdem haben wir im Kreis Segeberg
noch eine Wölfin. Damit wäre die Genehmigung für uns hier ja wohl hinfällig.“ Vorläufig könne er seinen Waidgenossen jedenfalls nur davon abraten, im Revier einen Wolf zu erlegen.
Wolf GW924m sorgt in der Region seit längerem für Unruhe, da er wiederholt wolfssichere Zäune überwunden und Schafe gerissen hatte. Allein seit Ende Januar habe es 23 Schafsrisse mit 40 getöteten Tieren und ein gerissenes Kalb in der betroffenen Region gegeben, informiert das Umweltministerium. 13 dieser sicher von einem Wolf verursachten Angriffe seien eindeutig GW924m zuzuordnen.
Bislang war eine „Task Force“ aus Wolfsbetreuern mit Jagdschein erfolglos hinter dem Tier her. Touré: „Diese Jäger sind auch weiterhin aktiv und zwar in den Gebieten, die zu Bundes- und Landesforst oder der Stiftung Natuschutz gehören.“ Dass die Experten ein Jahr lang nicht zum Schuss kamen, liege daran, dass das Streifgebiet des
Wolfes sehr groß sei.
Der Naturschutzverband Nabu, befürwortet den Abschuss des Problemwolfes. Die Ausweitung der Jagdberechtigung aber wird in Frage gestellt. „Ich glaube nicht, dass das zielführend ist“, meint Nabu-Landesgeschäftsführer Ingo Ludwichowski. Um einen Wolf zu schießen, müsse man als Jäger besonders vorgebildet sein. Ähnlich sieht es Thomas Neumann, Naturschützer und WWF-Mitglied im Kreis Lauenburg. In der Dämmerung sei ein Wolf nur schwer von einem Schäferhund zu unterscheiden. „Die Jagd hätte in der Hand von Spezialisten bleiben müssen.“ Möglicherweise hätten diese nicht alles versucht, um das Tier zu ködern. „Wolfsjäger in alter Zeit wussten noch, was es da für Möglichkeiten gibt.

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