Nachtsichttechnik zur Schwarzwildjagd in Schleswig-Holstein

Die Erlegung von Schwarzwild unter Verwendung von Nachtsichtvorsatz- oder Nachtsitzaufsatz-geräten ist seit dem 28. August 2020 auch in Schleswig-Holstein erlaubt. Dies gilt nur für Jagdscheininhaberinnen und Jagdscheininhaber, die das 18. Lebensjahr vollendet und einen Jahresjagdschein mindestens ein Jahr besessen haben.

Wichtig: Waffenrechtliche Grundlage dafür bilden die am 20.02.2020 in Kraft getretenen Änderungen des Dritten Waffenrechtsänderungsgesetzes (3. WaffRÄndG). Der neu eingefügte § 40 Abs. 3 Satz 4 ermöglicht es Inhabern eines gültigen Jagdscheins, Nachtsichtvorsätze und Nachtsichtaufsätze (d.h. Restlichtverstärker) für Zielfernrohre zu erwerben, zu besitzen und einzusetzen.

Diese waffenrechtliche Befreiung/Privilegierung ändert grundsätzlich nicht das weiterhin bestehende waffenrechtliche Verbot für Nachtsichtgeräte und Nachtzielgeräte mit Montagevorrichtung für Schusswaffen. Das heißt, es bleibt verboten, Nachtsichtgeräte und Nachtzielgeräte direkt mit den Waffen zu verbinden. Reine Nachtzielgeräte haben im Zielfernrohr  Zielstachel, Zielkreuz oder Zielpunkt sowie Restlichtverstärker oder Wärmebild kompakt integriert ! Es ist weiterhin verboten Lampen oder Infrarotaufheller (IR-Aufheller) oder Infrarotstrahler auf Schusswaffen anzubringen. IR Aufheller oder IR-Strahler sind jedoch häufig an Nachtsichtvorsätzen und Nachtsichtaufsätzen montiert, diese müssen entfernt werden. Im Gegensatz dazu dürfen Nachtsichtgeräte jeder Technik (z.B. „dual use“) ohne Zieleinrichtungen z.B. auf Ferngläsern,  Kameras, Spektiven benutzt werden.

Kommentar:

Die Nachtjagd ist eine schwere Beunruhigung und zusätzliche Störung der Lebensräume aller wildlebender Tiere. Fast alle jagdbaren Wildtiere haben sich zum „Nachtwild“ entwickelt obwohl sie das von Natur aus gar nicht sind (z.B. Rotwild, Rehwild, Schwarzwild). Ausgestattet mit der Nachtzieltechnik greift der Jäger massiv in diese Rückzugsräume ein. Verdrängung aus den angestammten Äsungsflächen, Stressverbeißen in ruhigeren Waldzonen, Schäden in deckungbietenden Agrarflächen können die Folge sein.  Viele Jäger blenden bei Ihrem Tun das nichtjagdbare Wild aus. Eulen, Füchse, Fledermäuse als typische Nachtjäger werden bei der Nahrungs-suche gestört, was zur eigenen Unterversorgung und zum Überhandnehmen von z.B. Mäusepopulationen führen kann.

Andererseits haben die Schwarzwildbestände stark zugenommen und die ASP (afrikanische Schweinepest) rückt immer näher. Reduktionsabschuss ist also das Gebot der Stunde.

Zunächst sollten sich aber alle Jäger fragen, ob sie die herkömmlichen Möglichkeiten zur wirkungsvollen Reduktion, zum Beispiel revierübergreifende gut organisierte Ansitzdrückjagden, ausgeschöpft haben ! Wenn nein, dann sollte hier zuerst nachgebessert werden.

Wenn ja, dann könnte die erlaubte Nachtzieltechnik eingesetzt werden, um die bereits herkömmlich genutzten Mond- und Halbmondphasen sicherer und zielgerichteter zu nutzen. Sicherer heißt, dass auch bei schwachem Licht exakt angesprochen und geschossen werden kann. Zielgerichteter heißt z.B. für den Feldjäger, dass er das Revier aus großer Distanz bei schwachem Licht absuchen kann und dann ohne große Störung das Schwarzwild angehen kann.

Richtig eingesetzt hieße dies, dass nicht viel mehr als bisher bei Nacht das Revier beunruhigt werden müsste, aber der Erfolg sicherer und zahlreicher werden könnte und dabei das übrige Wild und die nichtjagdbaren Tiere ihren „normalen“ Lebensrhythmus nächtens ungestört beibehalten könnten.

F.-S. Froehlich

MerkblattNachtsichtvor_aufsatzgeraete

Menü